Urbane Mobilität
im Umbruch

In der ersten Ausgabe von matters widmen wir uns den aktuellen Veränderungen in den urbanen Mobilitätsmärkten am Beispiel der Free-Floating-Carsharing-Systeme (FFC).

Im Fokus der Studie stehen die Bewertung der verkehrlichen und ökonomischen Relevanz der FFC-Systeme und die Ableitung von Empfehlungen für die Stadt- und Verkehrsplanung, für Mobilitätsdienstleister und FFC-Anbieter. Dazu wurden weltweit über einen Zeitraum von einem Jahr rund 115 Millionen Datensätze erfasst und mehrstufig ausgewertet. Mit Hilfe dieses Datensatzes lassen sich rund 18 Millionen Anmietungen nachbilden.


Die bestehenden Free-Floating-Carsharing-Systeme erreichen aufgrund ihrer geringen Flottengröße und ihrer geringen Auslastung keine nennenswerte verkehrliche Relevanz in den jeweiligen lokalen Verkehrsmärkten und leisten damit keinen direkten Beitrag zur Lösung von Verkehrsproblemen in Ballungsräumen.

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Free-Floating-Carsharing deckt Entfernungsbereiche und Mobilitätsbedürfnisse ab, die größtenteils mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad zu bewältigen gewesen wären. In Berlin sind 50 Prozent der Fahrten kürzer als fünf Kilometer. Diese Fakten, ergänzt um nicht repräsentative Nutzeraussagen, führen uns zu der These, dass Free-Floating-Carsharing in einem erheblichen Umfang „motorisierte Bequemlichkeitsmobilität im Nahbereich“ ist, die vorher mit stadt- und umweltverträglicheren Verkehrsmitteln, wie dem öffentlichen Verkehr und dem Fahrrad, durchgeführt wurde.

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In diesem Video haben wir einen Free-Floating-Carsharing-Tag in Berlin visualisiert. Sehr gut zu erkennen ist die kleinteilige Nahmobilität in den dicht besiedelten und hippen Stadtteilen. Kurz vor Anpfiff des legendären WM-Spiels zwischen Brasilien und Deutschland erreicht die Nachfrage ihren Höhepunkt. Kurz nach Anpfiff des Spiels nimmt die Nachfrage ungewöhnlich stark ab, dagegen fallen die Tore für Deutschland umso zahlreicher. Nach Abpfiff des Spiels ziehen die Anmietungen noch einmal für ca. eine Stunde stark an.

CARSHARING TIMELAPSE DURING SEMI-FINAL BRAZIL-GERMANY

Quellen

Das Video wurde von Mappable.info umgesetzt. Die Darstellungsform ist inspiriert von der Densitydesign-Visualisierung "seven days of carsharing" (http://labs.densitydesign.org/carsharing/) bzw. der dortigen Timelaps-Darstellung. Der Quellcode der Visualisierung basiert auf Arbeiten von Daniele Ciminieri (https://github.com/fenicento/carSharing_paths). Die Hintergrundkarte wurde in Tilemill erstellt (https://www.mapbox.com/tilemill/). Die Gebäude stammen aus OpenStreetMap, © OpenStreetMap contributors, die Daten sind unter der Open-Database-Lizenz verfügbar (http://www.openstreetmap.org/copyright). Die Wasser- sowie Freiflächen stammen aus den GMES Daten. Directorate-General Entreprise and Industry (date of delivery: 15 Mar 2010 and 21May 2010). http://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/urban-atlas#tab-metadata. Das Video wurde mit der Open Source Programmiersprache Processing (https://www.processing.org/) sowie der Library Unfolding (http://unfoldingmaps.org/) produziert.


An privaten Pkws wird regelmäßig kritisiert, dass es sich weniger um Fahrzeuge als vielmehr um Stehzeuge handelt. Im bundesweiten Durchschnitt wird ein Pkw nur 1 Stunde am Tag bewegt, 23 Stunden dagegen steht er überwiegend im öffentlichen Raum. Innerstädtisch wird ein Pkw ca. 30-45 Minuten pro Tag bewegt. Über alle drei Anbieter hinweg wird ein FFC-Fahrzeug lediglich rund 62 Minuten am Tag produktiv genutzt.

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Den Anbietern ist es gelungen, ein neues Mobilitätsprodukt zu schaffen und zusätzliche Erlösströme zu generieren. Mit einer weiteren Auslastung der Systeme und einer offensiven Expansion lassen sich bis zu 1,4 Milliarden Euro Umsatz generieren. Die Anzahl der Systeme müsste sich dazu allerdings von heute 30 auf rund 140 nahezu verfünffachen.

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Quellen

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